die dreißiger Jahre

Die Lehrer Hans Bock und Stanislaus Romanowski.

Vor allem die Lehrer Bock (1919 – 1940) und Romanowski (1921 – 1942) prägten die Niederbreitbacher Schulgeschichte für die nächsten Jahrzehnte. Weitere Lehrkräfte
in diesem Zeitraum waren: Lehrer Hermann (einige Jahre nach dem l.Weltkrieg), Lehrerin Fink (um 1919 für kurze Zeit) und in den dreißiger Jahren die Lehrerinnen Lehmann und Simon.

Lehrer Romanowski, zu dem so manche Anekdote überliefert ist, zog 1930 aus der Dienstwohnung in der Alten Schule aus und bezog sein neues Haus in der heutigen Neuerburg-Straße. Seine Nachfahren wohnen heute noch in Niederbreitbach. Im September 1937 schrieb Lehrer Romanowski an den Landrat einen Beschwerdebrief: „Der Schulhof hat Lehmboden. Bei regnerischem Wetter, namentlich im Winter, ist der Hof ein wirklicher Morast, in dem Lehrer und Kinder bis in die Knöchel einsinken. Dass die Schüler nasse Füße bekommen und viel Schmutz in die Schulräume tragen, ist unausweichlich. Es fehlen Tintenfässer, ein Kasten für das Brennholz und ein Schrank für die in der Ecke stehenden Karten. Die Bänke und das Pult sind ohne Anstrich. Im Flur sind Kleiderhaken nötig.“

Lehrer Hans Bock kam 1919 von Gebhardshain nach Niederbreitbach und heiratete 1923 Anna Buhr aus Niederbreitbach. Zunächst wohnhaft im späteren Haus Menzenbach in der heutigen Jakobus-WirthStraße, zog die Familie mit ihren beiden Töchtern 1931 in die Lehrerwohnung in der „Alten Schule“.

1940 wurde Hans Bock Soldat und zog nach dem 2. Weltkrieg nach Neuwied, wo er später, bis zu seiner Pensionierung, an der Marienschule unterrichtete. Lehrer Bock war sehr mit Niederbreitbach verbunden. Er lieferte Beiträge zur Heimatgeschichte und war bei dörflichen Unternehmungen in den dreißiger Jahren dabei, etwa bei der Anlegung des „Alten Sportplatzes“ und bei der Versorgung armer Dorfbewohner mit Kleidung und Essen. – Hans Bock starb 1979 in Neuwied.

Romanowski

Lehrer Romanowski mit Schülerinnen in den zwanziger Jahren.

1931 besuchten 127 Kinder die Volksschule Niederbreitbach mit ihren zwei Klassenräumen. Es gab die Unterstufe (Klasse 1 – 4), die Oberstufe (Klasse 5 – 8) und
zumindest zeitweise auch die Mittelstufe (Klasse 3 – 4).

Die Lehrerinnen Lehmann und Simon waren in  der Unterstufe, die Lehrer Bock und Romanowski in den höheren Klassen tätig. Handarbeitslehrerinnen waren Fräulein Hillen (bis 1937), Fräulein Tobias und Fräulein Kramer. Lehrerin Lehmann trat immer besonders fein gekleidet auf. Sie wohnte im  damaligen  Hotel „Wiedkrone“. Wenn für  eine Weihnachtsfeier geübt werden musste, durften die betreffenden Schüler sie dort besuchen.

Turnunterricht wurde in  diesen Jahren auf dem Schulhof erteilt. Das jährliche Sportfest fand  gemeinsam mit den benachbarten Schulen in Waldbreitbach statt.

Die Kartoffelfelder wurden in den dreißiger Jahren von der Kartoffelkäfer-Plage heimgesucht. So machten die Klassen ihre Schulausflüge auf die befallenen Felder und sammelten die Käfer ein. Die Sommerferien waren in  dieser Zeit wesentlich kürzer als heute. In  diesen „Heuferien“, wie auch in den längeren Herbstferien, auch „Kartoffelferien“ genannt, halfen die Kinder bei der Ernte.

Die bei den Klassenräume der Volksschule wurden im Winter durch Holzöfen geheizt. Unter den Schülern wurde ein „Holzdienst“ eingerichtet. Heute kaum vorstellbar, dass ein Lehrer, mit Mantel und Schal bekleidet, neben dem Ofen saß und die Pfeife rauchte.

Für die Kinder aus Wolfenacker fuhr natürlich  noch kein Schulbus. So waren die Schulwege mit so manchen Abenteuern verbunden. Im Winter war die Schlittenfahrt bergab ein Vergnügen. Nur auf Dr. Piepers Auto musste man Acht geben.

Wandertage waren für die Schüler Höhepunkte des Schuljahres und stellten eine
willkommene Abwechslung zum Schulalltag dar. Ein beliebter Schülerspruch war:

„Die Luft ist so blau, das Tal ist so grün, Herr Lehrer wir wollen spazieren gehn -nicht nur um die Ecken, sondern weite, weite Strecken.“

Neben Wanderungen mit heimatkundlichem Inhalt, gab es auch schon einmal einen Ausflug nach Solscheid, wo Lehrer Bock seine Eier kaufte.