Schulneubau

Eine zweite Lehrerstelle wurde erforderlich. Der Schulvorstand beschloss, in Niederbreitbach eine neue Schule zu bauen.

Im Jahre 1907 wurde ein Kostenvoranschlag zur Erweiterung der „Alten Schule“ erstellt, im Jahre 1908 aber ein Ausbau verworfen. Ein erster Bauentwurf sah vor, im Erdgeschoss zwei Klassenräume einzurichten. Nach einem späteren Aufbau sollten dann im Obergeschoss Wohnungen für zwei verheiratete Lehrer entstehen.

Diese Planung wurde durch einen zweiten Entwurf ersetzt.

Schulentwurf-bearbeitet„Es ist der Entwurf eines zweistöckigen Gebäudes gewählt worden, das in jedem Geschoss je einen Schulsaal enthält. Die Schulsaalfenster haben Westlage und wenden sich hiermit gleichzeitig dem Dorfe Niederbreitbach zu. Der etwaige spätere Anbau von Lehrerwohnungen würde auf der Ostseite des Gebäudes erfolgen. Das Abortgebäude mit zwei Sitzen für Knaben, drei für Mädchen, zwei für Lehrer bzw. Lehrerinnen und den nötigen Pissoirständen liegt auf dem Spielplatz von der Straße ab der Nachbargrenze zu.“

Den Zuschlag für den Neubau erhielt die als zuverlässig angesehene, ortsansässige Firma Gebrüder Simon und Anton Plag.

Am 11. Mai 1910 kam es zum Vertragsabschluss und am 2. Juni 1910 zur Grundsteinlegung.

Während der Bauphase besuchte der zuständige Baurat der Königlichen Bauinspektion des Baukreises Wetzlar mehrmals die Baustelle. Am 23. Juni 1910 schrieb er
an das Bürgermeister – Amt Wald breitbach: – „Bei der Besichtigung des Schulhauses in Niederbreitbach ergab sich, dass der für das Erdgeschoss gewählte Ziegel sich seiner unschönen Farbe nach nicht dazu eignet, sichtbar gelassen zu werden. Es wird daher das Erdgeschoss ebenso wie das Obergeschoss mit einem Verputz zu versehen sein. Hierzu eignet sich die Verwendung groben Bachsandes mit Trierer Kalk, wie solcher Putz am Anbau des Pfarrhauses in Waldbreitbach verwendet ist.“

Am Montag, dem 14. November 1910 konnte das neue Schulgebäude in Gegenwart des Bürgermeisters Schmidt und der Gemeindevertreter vom Schulinspekteur eingewiehen werden. 19.060,46 Mark betrugen die Kosten für den Schulhausneubau zuzüglich der Kosten für die Abortanlage von 5.601,33 Mark. Für 3.388,47 Mark baute ebenfalls die Firma Plag die „Alte Schule“ im Jahre 1911 zu Lehrerdienstwohnungen um.

Die Lehrer Krire (1910 – 1921), der auch Vertretung an  der Schule in  Marienhof machte, und Peter Kehr (1910 – 1915) waren die ersten Lehrkräfte an der neuen Schule. Kehr wurde während des 1. Weltkrieges im Jahre 1915 zum Militär eingezogen. Er fiel am 01.07.1917 in  Galizien und hinterließ Frau und drei Kinder. Frau Kehr wurde später wieder in  Niederbreitbach sesshaft.

Um1912

Um 1912 vor der neuen Schule. Rechts Lehrer Krire, Mitte: Lehrer Kehr.

Am 20.02.1911 wurde zwischen der Gemeinde Niederbreitbach und der Witwe Lorenz Siebenmorgen ein Vertrag über die Reinigung des neuen Schulgebäudes abgeschlossen. Frau Siebenmorgen erhielt für diese Tätigkeit einen Lohn von 156 Mark jährlich.

1913 gehörten die Gemeinderatsmitglieder Johann Becker, Peter Hardt, Anton Becker und Anton Hennen dem Schulvorstand an. 1914 kam der älteste Lehrer, Peter Kehr, dazu. Im November 1921 wurde bei der neuen Schule für 5.198,50 Mark ein Kesselbrunnen fertiggestellt. Diesen installierte die Firma Franz Homscheid.

NeueSchule1910

Die „Neue Schule“ von 1910. Foto um 1960